Best of Breed – das Kombinieren von bestmöglichen IT-Lösungen für bestimmte Geschäftszwecke – erlebt in Zeiten von Headless und Composable Commerce eine Renaissance. Falsch verstanden führt dieser Ansatz jedoch häufig zu falschen Prämissen in der Technologie-Strategie.

Best of Breed ist nicht neu – die Idee, die “besten” IT-Lösungen für einzelne Geschäftszwecke und strategische Ziele in Unternehmen zu kombinieren, existiert vermutlich schon solange sich Systeme und Software-Komponenten über Schnittstellen vernetzen lassen. Diskussionsbedarf besteht in der Fachwelt bei der Frage, was “Best” in Best of Breed genau meint: Eine Lösung, die im Markt als die beste gilt? Oder eine Lösung, die unabhängig davon, am besten geeignet ist, ein spezifisches Problem in einem Unternehmen zu lösen? Dementsprechend kursieren hier zwei Interpretationsansätze.

Für die einen bestimmt der Markt, welche Plattformen, Systeme, Services oder Tools als “Best of Breed” gelten. Für die anderen, zu denen wir uns bei eCube zählen, orientiert sich Best of Breed nicht an der Meinung des Marktes, sondern allein daran, was aus Sicht eines Unternehmens für seine individuelle Problemstellung die beste Lösung ist. Um hier Klarheit zu schaffen und den Fokus auf die individuellen Kriterien bei der Evaluation möglicher Technologie-Lösungen zu betonen, sprechen wir bei eCube im Unterschied zu Best of Breed (aus Marktsicht) von Best-Fit-Lösungen (aus Unternehmenssicht).

Was bedeutet “Best of Breed” im Digital Commerce?

Best of Breed erlebt in Zeiten von Headless und Composable Commerce eine Renaissance. Beide Konzepte stehen für modulare Ökosysteme, die sich auf Basis serviceorientierter Architekturen (SOA) an den individuellen Anforderungen des digitalen Verkaufs orientieren. Statt fest in einer All-in-one-(Komplett-)Lösung verankert zu sein, werden beispielsweise die Funktionen eines Online-Shops modular in Form von (Micro-)Services zusammengesetzt und über Schnittstellen (API) vernetzt.

“Best of Breed” bedeutet in diesem Zusammenhang weniger, komplette Systeme – ERP, CRM, CMS, E-Commerce, etc. – zu verknüpfen, sondern funktionale Services intelligent zu orchestrieren, um bestmögliche (modulare) Lösungen für bestimmte Geschäftszwecke zu erreichen. Die Herausforderung besteht darin, die besten Services zu identifizieren (oder zu entwickeln), die sich mit geringem Aufwand und Risiko integrieren lassen und schnell den größtmöglichen Mehrwert für das Unternehmen schaffen.

Was bedeutet “Best of Breed” nicht?

Die Lösung, die als Best of Breed im Markt gilt, ist nicht per se die beste Lösung, um spezifische Probleme im Unternehmen zu lösen oder strategische Ziele zu erreichen. Ein Blick in den “Gartner Magic Quadrant” der Unternehmensberatung Gartner, die regelmäßig die “besten” IT-Lösungen am Markt nach verschiedenen Kriterien evaluiert, hilft nur bedingt, die beste Lösung für den Einzelfall zu finden. Solche Rankings können allenfalls eine grobe Orientierung zu Trends geben, ersetzen jedoch nicht die systematische Evaluation möglicher Lösungen auf Basis einer fundierten Analyse der Problemstellung.

Grundsätzlich sollten sich Entscheider bei der Suche nach Lösungen für ihren Digital Commerce nicht an Technologien orientieren, die beim Wettbewerb oder bei großen Unternehmen gerade en vogue sind. Künstliche Intelligenz nützt wenig, wenn sie zwar hilft, das Verhalten von Shop-Besuchern besser zu verstehen und das Angebot zu personalisieren, wenn die wirklich drängenden Probleme ganz woanders, beispielsweise im Bestellprozess, liegen. In diesem Fall ist KI eher “nice to have” statt ein Werttreiber.

Lesenswert dazu: You Are Not Google – “We like to think that we’re hyper-rational, but when we have to choose a technology, we end up in a kind of frenzy.”

Best Fit: Fokus auf individuelle Problemstellung & Wertschöpfung

Um Fehlinterpretationen und Fehlentscheidungen zu vermeiden, unterstützen wir Digital-Commerce-Verantwortliche dabei, die Frage nach der besten Lösung für einen bestimmten Geschäftszweck nicht vom Markt her (Best of Breed), sondern aus Sicht des eigenen Unternehmens (Best Fit) zu beantworten. Dazu ist es zwingend notwendig, die konkrete Problemstellung, bzw. Zielsetzung in allen Facetten zu verstehen. Erst dann kann mit der Suche nach passenden Technologien (Services, Plattformen) begonnen oder gegebenenfalls die Entwicklung eigener Lösungen in Betracht gezogen werden.

Die klare Fokussierung auf den Best Fit (für das eigene Unternehmen) hilft, Projekte und Vorhaben sinnvoll zu priorisieren und Investitionen in nicht notwendige Technologien – Technologie-Overload – zu vermeiden. Das bedutet nicht, dass die oben erwähnte KI-gestützte Personalisierung komplett von der Technologie-Agenda gestrichen werden muss. Sie wird gegebenenfalls in die Zukunft verschoben, um Ressourcen für “relevantere” Maßnahmen einzusetzen, die heute einen größeren Mehrwert für den Digital Commerce schaffen. Ein solche dynamische Priorisierung ist ein Grundprinzip agiler Entwicklung.

Den “Best fit” ermitteln – kurze Checkliste

Oz Nova, Gründer der Bradfield School of Computer Science, appeliert in seinem sehr lesenswerten Artikel “You Are Not Google” an Unternehmen, sich bei der Auswahl neuer Technologien nicht von Lösungen leiten zu lassen, die auf den ersten Blick vermeintlich nützlich erscheinen (etwa, weil sie von Tech-Konzernen eingesetzt wird), sondern den eigenen spezifischen Bedarf zugrunde zu legen. Denn nur so ließen sich Lösungen finden, die den größtmöglichen Mehrwert für ein Unternehmen schaffen. 

Für die systematische Bedarfsanalyse und Lösungssuche liefert Oz Nova eine einfache Anleitung:

  • Keine Lösung, ohne das Problem verstanden zu haben. Das Ziel: Problem primär innerhalb des Problembereichs “lösen”, nicht innerhalb des Lösungsbereichs.
  • Verschiedene Lösungsvorschläge berücksichtigen. Analyse und Suche nicht voreilig auf eigene Favoriten oder “Vorgaben” der Wettbewerber beschränken.
  • Lösungskandidaten in die engere Wahl nehmen und prüfen. Verfügbare Informationen kritisch studieren und verstehen.
  • Hintergründe und Motivation hinter einer Lösung verstehen, z.B. den historischen Kontext, in dem die in Frage kommende Lösung entworfen und entwickelt wurde.
  • Vorteile und Nachteile kritisch abwägen, z.B. im Kontext der Frage, welche Intitiative zurückgestellt würden, um die priorisierte Lösung zu realisieren?
  • Favorisierte Lösung kritisch reflektieren. Nüchtern und objektiv darüber nachdenken, wie gut diese Lösung zum konkreten Problem passt.

Erst wenn absolute Klarheit über die Problemstellung und mögliche Lösungsoptionen besteht, kann eine valide Entscheidung für eine Technologie getroffen werden, denn Best Fit definiert sich nicht danach, was objektiv im Markt als “das Beste” gilt, sondern was im Einzelfall das Beste für das Unternehmen ist.

Sie sind an diesem Thema interessiert und haben noch Fragen oder wollen tiefer in die Thematik einsteigen? Dann verpassen Sie nicht unser Webinar am 13.10.21 um 12.30 Uhr