Klassisches Projektmanagement ist nicht tot, aber unpopulär. Zu Recht?

Projektmanagement – In unserer Branche wird die Mehrheit aller Produktentwicklungen mittels agiler Vorgehensweisen, wie etwa Scrum, Extreme Programming, Feature Driven Development oder Kanban durchgeführt. Das hat gute Gründe, die altbekannt sind. Wenn wir uns beispielsweise auf Scrum beziehen, sind das vor allem diese:

  • höhere Flexibilität
  • Fokus auf Wertschöpfung
  • Orientierung direkt am Kunden
  • höhere Transparenz, schnelles Feedback
  • schneller Start in die Entwicklung

 

Wo ist Licht ist, da ist auch Schatten

Agile Methoden wie Scrum haben leider auch eine Reihe von Schwächen, die vor allem Auftragnehmer in der Phase der Auftragsentstehung unruhig schlafen lassen. Die Größten davon kann man folgendermaßen zusammenfassen:

  • Schwierigkeiten bei der Planung (Fertigstellung, Kosten etc.)
  • häufig fehlender Überblick über das Gesamtprodukt und die kommenden Projektphasen
  • Abhängigkeiten zu externen Ressourcen und Plänen sind komplex
  • Bei Produkten mit simplem Umfang ist der Overhead zu groß
  • Integration in große Unternehmensstrukturen unter Umständen schwierig
  • Dokumentation wird häufig vernachlässigt

Unser Lesetipp: Anforderungen von E-Commerce Plattformen richtig in den ersten vier Tagen dokumentieren und kommunizieren

Also doch lieber klassisches Projektmanagement?

Aufgrund der schwerwiegenden Vorteile agiler Softwareentwicklung empfehlen wir in unseren Projekten in der Regel, diese zu verwenden. Unserer Erfahrung nach ist die Flexibilität von Scrum und anderen Methoden unbezahlbar, wenn wir sie mit dem starren Versuch der Erfüllung eines Pflichtenheftes vergleichen.

Es kann ggf. ratsam sein, darüber nachzudenken, ob ein klassisch sequenzielles Vorgehen (zum Beispiel mittels V-Modell, Spiralmodell oder Wasserfall) nicht doch die bessere Wahl ist. Folgende Faktoren sollten dabei untersucht werden:

  • Die Umgebung des Entwicklungsteams
  • Der Aufbau des Entwicklungsteams
  • Die Komplexität des Produktes
  • Die Unsicherheiten vor Beginn der Entwicklung

Passend dazu: Unser Whitepaper “Komplexe Replatforming-Projekte im B2B richtig managen”

Unser Modell

Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte wurde eine Reihe von Modellen entwickelt, die dabei helfen sollen, die richtige Methodik für Ihre Produktentwicklung zu wählen. Die Meisten legen dabei allerdings ausschließlich den Fokus auf die zu entwickelnde Software. eCube hat ein Modell entwickelt, das die Umstände der Entwicklung mit betrachtet. Sie sind wichtige Faktoren, um festzustellen, in welchen Situationen man sich für ein sequenzielles Vorgehen entscheiden könnte.

Im gezeigten Modell werden acht typische Faktoren bewertet, die Ihnen helfen, Sicherheit bei der Auswahl der richtigen Herangehensweise zu treffen. Im Beispiel sehen Sie einen üblichen Graphen, der entsteht, wenn Sie sie Ihre Situation nüchtern bewerten und die Werte auf den Skalen miteinander verbinden.

Quelle: Eigene Darstellung.

Haben Sie die Fragen mittels Skala beantwortet und so Ihren Graphen erstellt, können Sie einfacher entscheiden. Folgende Eigenschaften sollte die Kurve zeigen, wenn Sie über ein klassisch sequentielles Vorgehen beispielsweise via Wasserfall nachdenken:

  • mindestens einer der Werte liegt bei -4
  • der Durchschnitt Ihrer Werte liegt unter 0
  • es liegt kein Wert bei 4

 

Sobald alle drei Bedingungen erfüllt sind, kann es sich lohnen von einem iterativen Modell abzusehen und über die Softwareentwicklung sequentieller Natur nachzudenken. Ein Graph, der sich streng in der Mitte bewegt, kann Sie darüber hinaus zum Entschluss bringen ein Hybridmodell zu verwenden oder einen völlig neuen Ansatz auszuprobieren. In jedem Fall werden Sie damit transparent machen, ob Ihr Vorgehen perfekt für die agile Welt oder die klassische Welt geeignet sein wird oder nicht. Konsultieren Sie uns im Zweifelsfall! Wir stehen Ihnen mit unserer Erfahrung gerne zur Seite.

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